Tanja

Technische Daten

Modell-Bezeichnung: Tanja Bobell
Baujahr: 1979
Herkunftsort: AugSCHburg
Aktueller Stellplatz: Mauerstetten (Allgäu)

Gründerin von Lipstick & Gasoline, 2014

Motorrad

„DER Gerät“
Honda CB 450
Baujahr 1972

Motorrad

„DER Gefährt“
Kawasaki W650
Baujahr 1999

„Du brauch’sch doch keinen Motorrad-Führerschein machen!“ – ich hör‘ meine Mama, als ob’s gestern war.
Und ich wollte ihn ja eigentlich auch nicht, um „Motorrad“ zu fahren. Mein Wunsch war immer ein 250er-Motor für meine Vespa PX80, die ich 1995 mit 16 Jahren von meinen (Groß-)Eltern zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte (und immer noch in meinem Besitz ist).
Ob Sommer, ob Winter – ob zur Schule oder in die Stadt zum „Roller-Kö“ in Augsburg: ich war mit meiner Vespa unterwegs.
Dann kam mit 18 der Autoführerschein und das erste eigene Auto; von da ab wurde die Vespa nur noch hin und wieder im Sommer bewegt. Und auch wenn für mich klar war dass ich sie nie hergeben werde, wurde sie im Laufe der Jahre eigentlich zur Nebensache und das Thema „Zweirad“ eher uninteressant.

Das änderte sich, als ich 2012 meinen jetzigen Ehemann kennen lernte: ein begeisterter Motorradfahrer und Mitbegründer des 1992 entstandenen BAD SEED C.M.C.
Ein Jahr später hatte ich den Lappen zum A2 in der Tasche, da ich ja von meinem 125er-Schein problem- (und vor allem Theorie-los) aufbauen konnte. Und das Motorradfieber hatte mich gepackt!

Mitfahren kam für mich nicht mehr in Frage und es musste (m)eine eigene Maschine ins Haus. Von einem Bekannten erstanden wir meine Honda CB450, BJ ’72, im ziemlich perfekten Originalzustand – die Freude währte aber nur kurz, denn bei einer der ersten Fahrten schlug ein Pleuel (wohl auf Grund eines Kolbenfressers) ein dezentes Loch in den Motorblock. NEIN, ich bin damals -zum Glück- nicht auf der Maschine gesessen und mein Mann konnte auf Grund seiner Erfahrung perfekt reagieren.
Da die Honda nun erstmal out of order war, zog eine Suzuki GS450 (Baujahr ’82) vorübergehend in unsere Garage ein. Ein zuverlässiges Motorrad, auf dem ich das erste Jahr meines Aufbauführerscheins verbrachte. Aber es war eben nicht „meine Honda“…
Die CB war im darauf folgenden Jahr wieder fit und bis auf kleine Änderungen wie M-Lenker und einer Höckersitzbank (die gefühlte 20kg wog) beließ ich es dabei – ich war erstmal froh, mit ihr fahren zu können.
Die erste „große Reise“ ging im Herbst 2015 über Frankreich direkt nach England zum AceCafe und dem Brighton-Run – leider auch hier nicht ohne -altersbedingte- Probleme, denn mein Anlasser verabschiedete sich bereits auf der Hinfahrt in Calais und sie lies sich nur noch im „kalten Zustand“ durch Anschieben starten.

Zurück in Deutschland -die Motorrad-Saison war so gut wie gelaufen- bekam ich von meinem guten Freund Roland ein Angebot, das ich unmöglich ausschlagen konnte: er würde die Honda mit mir zusammen auf meine Bedürfnisse, was Gewicht und Aussehen betraf, umbauen. Von den Schutzblechen über den Vorderrad-Umbau mit Trommelbremse, gekürztes Heck, ein anderer Tank, Lenker mit Ochsenaugen, eine kleine Höckersitzbank, hinterverlegte Fußrastenanlage von Tarozzi und sogar speziell für die Honda angefertigte Krümmer – Stunden über Stunden verbrachte er mit mir in der Werkstatt, bis DER Gerät -vorerst- fertig war und mein Mann unterstützte das Vorhaben, wo es nur ging.
Zu gerne hätte ich die original Vergaser von Keihin gegen Mikunis inklusive offenen Ansaugtrichtern getauscht – trotz einem Tag auf dem Prüfstand und gefühlter 50ig-facher Umbedüsung sollte es nicht klappen und so blieb „das Herz“ der Honda bis auf K&N Luftfilter so, wie es seit dem Kolbenfresser-Zwischenfall und dem damit verbundenen Austausch des Motors war.

Die Frage war nicht „Ob“ sondern „Wann“ und passend zum Saisonstart 2017 kam dann der Super-Gau: das Getriebe sollte sich verabschieden. Nun war es also an der Zeit und ich entschied mich dafür, den kompletten Motor überholen zu lassen. Hans Polster, ein ausgesprochener Fachmann für Honda-Motoren, sollte sich darum kümmern.

Doch nun stand ich vor dem nächsten Problem: im Juli 2017 würde es auf den Zweirädern in einer kleinen Gruppe wieder nach England gehen und so musste „ein Gefährt“ gefunden werden. Die Entscheidung fiel nach nicht allzu langem Überlegen auf eine „moderne“ Maschine mit klassischem Aussehen: die W650. DIeses mal wollte ich schließlich ohne größere Zwischenfälle die England-Tour hinter mich bringen. Die Umbaumaßnahmen bezogen sich nur auf optische Kleinigkeiten: breiter Lenker mit Ochsenaugen, eine hübsche Sitzbank und mein -bereits von der Honda- geliebtes Rücklicht samt Kennzeichenhalter. Auch hier durfte ich wieder mit der Unterstützung meines guten Freundes und meines Mannes rechnen. Mit „unglaublichen“ 50 PS war die W allerdings um 2 PS stärker, als ich hätte offiziell fahren dürfen, deswegen wurde gleich noch die praktische Prüfung zum A-Schein hinterhergeschoben.
Und DER Gefährt hielt was ich mir von ihm erhoffte: er brachte mich zuverlässig zum AceCafe nach London, zum Jack’s Hill Cafe nach Towcester und schließlich nach 11 Tagen auf dem Mopped wieder zurück an unsere Haustüre.

Im September sollte ich den Honda-Motor wieder zurück bekommen und bis dahin wurde die Zeit genutzt, um den breiten Lenker samt Ochsenaugen gegen Stummel auszutauschen und auch die Elektrik wurde von vorn bis hinten auf Vordermann gebracht.
Da in der vergangenen Saison nur noch einige wenige Fahrten mit der Honda hier „im Gai“ möglich waren hoffe ich nun umso mehr darauf, dass der Frühling 2018 nicht mehr allzu lang auf sich warten lässt.
Der erste größere Trip des Jahres ist im Mai nach Cesenatico/Italien geplant – meine Mama ruft mich übrigens bei solchen Touren abends immer noch an, „ob’s Mädchen sicher angekommen ist“….